209 km
11 Tage
11.130 hm
10.960 hm
8 Nächte
1 Zeroday
„Es ist 06:05 Uhr. Auf 1.200 Metern Höhe liegen wir in unserem Zelt im Urwald! Es regnet und regnet. Die Nacht ist sehr stürmisch. Der Wind peitscht durch die Baumkronen und die Böen reißen am Zelt, das mit der Zeit im Dreck des Waldbodens versinkt. Wir haben geschlafen. Nicht viel, aber immerhin etwas! Und so langsam verstehen wir, was die Gruppe Thru-Hiker am ersten Tag meinte, als sie sagten: „Good luck. It was like hell!“
Aber fangen wir von vorne an.



Warum Madeira
Madeira ist eine Insel mit vielen Gesichtern. Die Nordseite ist rau und ursprünglich und durch Steilküsten geprägt. Die Südseite ist flacher und sonniger, mit viel urbanem Gelände. In den Höhen ist es windig, wolkig und immer nass. Genau deswegen lieben wir Inseldurchquerungen – sie haben ihre eigenen Spielregeln. Das Wetter auf hoher See ist anders als auf dem Festland, ähnlich wie in den großen Gebirgen dieser Welt.
Was uns an Madeira besonders gereizt hat: Es ist ein gutes Ziel für den in Deutschland noch kühlen März. Die Temperaturen sind schon angenehm und der Tourismus noch nicht in seiner Hochphase. Dazu kommen die steilen Küsten, die Nebelwälder, die vielen Höhenmeter und die faszinierende, teils einzigartige Flora. Was uns außerdem fasziniert: die Levadas – alte Bewässerungskanäle, die sich durch die gesamte Insel ziehen und gleichzeitig als Wanderwege genutzt werden. Und: Wir lieben einfach Inseldurchquerungen. 🤩 Aber von Anfang an war klar: Auch diese Tour wird unique sein. Anders als La Réunion, La Gomera, Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura. Die Nächte draußen im rauen Wetter in den mystischen Wäldern der Insel, die vielen Moose der Nordseite, das viele Wasser. Die Herausforderung ist eine ganz andere.
Der wohl bekannteste Fernwanderweg auf Madeira ist der MIUT (Madeira Island Ultra Trail), der sich von Ost nach West erstreckt. Darüber hinaus bietet die Insel ein vielfältiges Netz an Wanderwegen – perfekt für uns, um unsere ganz eigene Route zusammenzustellen.
Planung und Vorbereitung auf die Tour
Die Route
Vier Wochen vor der Abreise haben wir mit der Planung begonnen. Unsere eigene Route orientiert sich am MIUT. Aber wir wollten mehr: von Ost nach West und dann eine andere Route zurück nach Funchal. Bei der Planung mussten wir Höhenmeter und Kilometer berücksichtigen, aktuelle Trailsperrungen und mögliche Schlafplätze einplanen. Die Tour sollte machbar, aber auch herausfordernd sein. Wir wollten wachsen, lernen und etwas Neues erleben.
Mit Outdooractive haben wir uns eine individuelle GPX-Route mit 184 Kilometern, 15.500 Höhenmetern in Ansteig und 14.970 Höhenmetern im Abstieg erstellt. Unser persönliches Ziel: am Flughafen starten und nach 10 Tagen wieder zu Fuß am Flughafen einlaufen. Anders als sonst haben wir keine Hotelübernachtung am Anreisetag gebucht und die erste Nacht direkt an unserem Startpunkt, Ponta de São Lourenço, im Zelt verbracht.
Wildcamping und Trekkingplätze
Über die gesamte Insel verteilt gibt es zahlreiche Trekkingplätze, die für eine Übernachtung reserviert werden müssen. Wir haben diese Campspots so gut es geht eingeplant. Allerdings passte es nicht für den gesamten Trail, denn viele der Camps liegen entweder nicht auf der Route oder waren nicht mehr buchbar. Ehrlich gesagt war das System für uns teilweise nicht ganz durchsichtig.
Achtung: Seit 2026 gibt es neue Bestimmungen und die damals noch kostenfreien Reservierungen sind heute zahlungspflichtig.
Schlafplätze vorab zu buchen bedeutet natürlich auch immer, die Tour genau so zu laufen wie geplant. Oder eben nicht? Vor allem Routenänderungen aufgrund von Wetter oder Streckensperrungen haben uns dazu gebracht, auch spontan zu handeln und so haben wir manchmal einfach irgendwo geschlafen. Und auch wenn wir schon Erfahrungen auf steilen Inseln gesammelt haben, war Madeira besonders herausfordernd. Es war nicht so einfach, ebene und geeignete Flächen zu finden.
Packliste
Die Packliste sollte trotz erwarteter niedriger Temperaturen so leicht wie möglich sein – die Höhenmeter darf man nicht unterschätzen und auch die Wegbeschaffenheit ist herausfordernd. Wir haben wieder auf unser ultraleichtes Zpacks Triplex Zelt und die bewährten Trailrunner gesetzt. Auf das Solarpanel haben wir diesmal verzichtet. Als Verpflegung hatten wir Essen für 4 Tage dabei und spekulierten auf das eine oder andere Resupply unterwegs.




Versorgungspaket und Hotelübernachtung
Da wir eine feste Übernachtung in Porto Moniz auf etwa der Hälfte der Strecke eingeplant hatten, wollten wir die Gelegenheit nutzen und haben uns ein Versorgungspaket per Post in das Hotel geschickt. Wir wollten unbedingt mal ausprobieren, wie das auf der Insel klappt. So viel sei verraten: Es war bis zum Schluss ein Krimi, ob das Paket wirklich rechtzeitig ankommen wird. Die Lieferzeit hat tatsächlich fast 3 Wochen gedauert.
Die Hotelübernachtung und der spontane Zeroday waren wirklich gold wert: Wäschewaschen, Sachen trocknen, Resupply und ein sicherer Hafen zum Erholen und Durchatmen.
Unsere gesamte Planung bewegte sich zwischen Recherche und Bauchgefühl. Diese 200 Kilometer kann man nicht so planen, dass sie zu 100% machbar werden. Auch wenn man selbst nicht krank wird oder sich verletzt, ist ein Abbruch täglich möglich. Ehrlich gesagt: Wir lieben genau das. Ein Abenteuer darf Unsicherheiten enthalten. Man wächst daran. Wer alles im Detail plant, wird vielleicht enttäuscht und hat es dann schwerer.
Ein neuer Plan muss jetzt her! Wo gehen wir lang, wo schlafen wir?
Alle Geschichten der Tour auf FindPenguins
Der Antigua ER 101 solle es sein: die uralte und längst nicht mehr existierende Küstenstraße! Wir haben uns kurz belesen, das es dort wohl einen abenteuerlichen Wanderpfad geben soll…
Was du vor dem deinem Start der Tour wissen solltest
Tourismus
Als uns das Taxi zum Startpunkt nach Ponta São Lourenço gefahren hat, waren wir erschrocken über die vielen parkenden Autos und Menschen. Diesen Andrang hatten wir Anfang März nicht erwartet. Allerdings ist die östliche Halbinsel auch einer der Hotspots auf der Insel. Und genau so war es meistens: An den Hotspots und auf beliebten Wegen war viel los, abseits davon waren wir oft alleine unterwegs.
Es lohnt sich also, nicht nur den bekannten und offiziellen Wegen zu folgen, sondern die Route selbst zu planen und auch weniger bekannte Wege einzuplanen. Das ist abenteuerlicher – und man trifft deutlich weniger Menschen. Auf den bekannten Levada-Wegen wie dem PR9 oder PR10 kann das Aneinandervorbeikommen schon eng werden. Auf den Steilpfaden und weniger beschilderten Wegen hingegen sieht man stundenlang niemanden.
Wetter und Nässe
Ohne dass wir das vorher so erwartet hätten, war das Wetter die größte Herausforderung. Die Nässe war krass: Regen, dichte Wolken, hohe Luftfeuchtigkeit, Wind und sogar ein gefrorenes Zelt am Pico Ruivo.
Unbeständig trifft es wohl am besten! Madeira ist nicht Funchal. 25 Grad und Sonne an der Küste haben nichts mit dem Wetter in den Bergen zu tun. Das Wetter kann sich innerhalb von Minuten komplett drehen. Auf der Nordseite ist es feuchter, auf der Südseite etwas stabiler. Sturm ist jederzeit möglich, vor allem in den Höhenlagen. Man sollte damit rechnen, dass mal ein Morgen oder ein ganzer Tag buchstäblich ins Wasser fällt.
Das Wetter hat uns schließlich mehrfach zur Routenänderung gezwungen. Es ist immer schwer bei einem Thru-Hike, wenn die Wetter-App sagt, es soll heftig regnen, obwohl man eigentlich plant, auf einigen tausend Meter Höhe zu schlafen. Was tust du? Vertraust du der App und steigst ab? Was, wenn es dann doch nicht regnet? Wir sind abgestiegen – und es hat geregnet. Nicht zu wenig. Dadurch konnten wir leider den Pico do Arieiro nicht wie geplant erreichen.
Und das Wasser kommt auf Madeira übrigens nicht nur aus den Wolken. Es hat einen Grund, warum Madeira so wunderschön grün und bewachsen ist. Das Wasser schießt teilweise aus dem Berg, mitten über den Weg: von oben, von der Seite, von überall. Trockene Schuhe und Füße hatten wir nicht so oft.

Gas, Wasser und Resupply
Der Kauf einer Gaskartusche war unsere erste Aufgabe direkt nach Ankunft. Wir hatten vorab schon recherchiert, wo es welche geben könnte, und sind dann Geschäft für Geschäft abgelaufen. Das hat doch etwas mehr Zeit in Anspruch genommen als erwartet. Am Ende hatten wir Glück und konnten in einer Ferreteria (eine Art Mini-Baumarkt) in Macchico eine große Schraubkartusche kaufen. Die hat auch für die gesamten 10 Tage ausgereicht.
Wir hatten zum Start der Tour wie immer zwei gefüllte Food Packs dabei und haben uns zusätzlich ein Versorgungspaket zum Pausenhotel nach Porto Moniz geschickt. Dort waren wir auch noch in den beiden Supermärkten einkaufen. Beide sind aber eher klein und unübersichtlich. Ansonsten gab es unterwegs immer mal die Möglichkeit, in Cafés oder Restaurants etwas zu essen und zu trinken. Aber insgesamt war der Resupply auf der Tour gar nicht so einfach. Es ist ratsam, immer ausreichend Essen dabei zu haben. Klassische Berghütten oder so gibt es nicht. Lediglich die Hütte am Pico Ruivo hat daran erinnert, wobei die Ausbeute dort auch eher minimal war.
Wasser gibt es grundsätzlich genug auf der Insel. Die Levadas finden sich an zahlreichen Wegen. Aber Achtung: das Wasser daraus solltest du nicht trinken. Es gibt aber genug öffentliche Wasserquellen in den Orten. Nur sehr selten mussten wir mal ein paar Liter mehr tragen. Es ist auf jeden Fall empfehlenswert, einen Wasserfilter mitzunehmen.
Wege und Markierung
Auf den offiziellen PR-Wegen gibt es gute Markierungen – auf unseren individuellen, kleineren Wegen kaum oder gar keine. Teilweise war diese sogar sehr zugewachsen oder schlichtweg nicht vorhanden.
Achtung: Ab 2026 brauchst du für alle PR-Wege eine Permit. Aktuelle Infos dazu findest du auf den offiziellen Seiten der Insel. Wir hatten noch das Glück und konnten 2024 alle Wege ohne Genehmigung gehen.
Die Navigation war für uns kein Problem. Wir nutzen Outdooractive und laden die GPX-Route und das Kartenmaterial zur Offlinenutzung runter. Bauschilder, Warnhinweise und gesperrte Wege sollten aber ernst genommen werden! Wir haben das einmal nicht getan und sind dabei auf einem gesperrten Levada-Weg mit fehlenden Sicherungen gelandet. Der Weg war teilweise sehr ausgesetzt und wir haben uns nicht wirklich wohl dabei gefühlt.
Eine weitere Besonderheit auf Madeira sind die unzähligen Tunnel. Der längste, durch den wir gelaufen sind, hat 26 Minuten (!) gedauert. Wahnsinn! Du brauchst auf jeden Fall eine Kopflampe dafür, denn es ist darin stockduster. Und als zusätzlicher Spaß tropft und spritzt es aus allen Löchern. Trocken kommt man da nur selten raus. 😅 Vor allem mit großem Rucksack kann das echt herausfordernd sein
Tiere
Es gibt einige Ratten auf der Insel und so wurden wir auch in einer Nacht, nahe einem Lostplace, „überfallen“. Denn die Ratte hat sich an unserem Müllbeutel vergriffen, der außen am Zelt hing. Etwas Vorsicht ist also geboten.
Begegnungen mit Kühen oder Ziegen hatten wir kaum. Aber das ist sicherlich auch von der Wahl der Route abhängig.
Ansonsten wird in der Zivilisation im Grunde jedes umzäunte Grundstück von einem oder mehreren Hunden bewacht. Du wirst von jeder erdenklichen Hunderasse angebellt und angeknurrt. Aber keine Sorge, kommt man näher oder geht auf die Hunde zu, sind diese im Handumdrehen weg. Selbst ein Goldenretiver bellt sich die Lunge aus dem Leib und knurrt bis zum Umfallen. Uns tut das schon leid…
Gut zu wissen
- Buchungen der Trekkingcamps über https://simplifica.madeira.gov.pt/services/7-22-101
- Buchung der Permits für Wanderwege über https://simplifica.madeira.gov.pt/services/78-82-259
- Wasser gibt es genug – nicht nur von Oben 😂
- Nicht nur offizielle Wege nehmen – besser auch eigene Wege planen, damit du weniger Menschen begegnest
- Unterschätze nicht das Wetter! Stell dich auf schnelle Wetterwechsel ein und berücksichtige die Unterschiede zwischen den Küsten und Bergen
- Madeira ist bekannt für ungesicherte, nicht gepflegte Wege, Erdrutsche und Hänge, die abgerutscht sind. Bauschilder, Warnhinweise und gesperrte Wege immer ernst nehmen. Erkundige dich über https://visitmadeira.com/de/ausfluege/naturliebhaber/aktivitaeten/wandern/ ob Wege gesperrt sind
- Madeira sieht nur selten so aus wie auf Instagram
Herausforderungen und Highlights
Einer der individuell geplanten Wege war echt hart – da haben wir uns durchaus gefragt: Was machen wir hier eigentlich? Es wurde immer schwieriger, der Weg immer weniger erkennbar. 550 Höhenmeter auf einem kaum erkennbaren Pfad, zugewachsen, steil, rutschig. Es wurde langsam dunkel. Dann ist Alex gestürzt und mit einem Bein in einem Dornenstrauch ins Leere getreten. Am Ende hatten wir hochrote Köpfe, eine verlorene Sonnenbrille und blutige Beine. Aber alles ok – zum Glück nur Dreck und Schrammen und kurze Zeit später hatten wir es geschafft.
Morgens aus dem Schlafsack raus, das nasse Zelt bei Regen, Kälte und Wind zusammenpacken – das war schon speziell und andauernd. Kommt die Sonne raus, ist es direkt mild und wunderschön. Und klar: 10 Tage, 210 Kilometer und rund 11.000 Meter hoch und runter sind schon was. Aber die reale Anstrengung für Körper und Geist kommt durch die Kälte, den teils starken Wind und die allgegenwärtige Nässe. Für unerfahrene Wanderer, die gerne mal eine Inseldurchquerung machen möchten, würden wir unsere Tour in keinem Fall empfehlen.
Aber trotz all dem war unser Madeira Cross ein richtiges Abenteuer für uns. Die steilen Klippen an der Ost- und Nordküste, die Nacht am Pico Ruivo auf 1.800 Metern Höhe, in der der Boden um uns herum gefroren ist, die unglaubliche Pflanzenvielfalt aus Flechten, Mossen und Blüten und die mystischen Aufstiege durch wunderschöne Wälder. All diese Momente überwiegen am Ende einer solchen Tour. Und wir sind natürlich unglaublich stolz auf das, was wir geschafft haben.
Unsere Etappen in der Übersicht
- Pico do Furado nach Porto Cruz | 23 km | 1.770 hm hoch | 1.380 hm runter
- Porto Cruz nach irgendwo auf dem Trail | 24 km | 1.250 hm hoch | 1.040 hm runter
- Irgendwo auf dem Trail nach Pico Ruivo | 14 km | 1.210 hm hoch | 135 hm runter
- Pico Ruivo nach Caramujo Sao Vicente | 20,5 km | 855 hm hoch | 1.440 hm runter
- Caramujo Sao Vicente nach Porto Moniz | 23 km | 680 hm hoch | 1.895 hm runter
- Zeroday
- Porto Moniz nach Fonte do Bispo Calheta | 22,5 km | 1.598 hm hoch | 430 hm runter
- Fonte do Bispo Calheta nach Pico da Urze | 13,6 km | 675 hm hoch | 535 hm runter
- Pico da Urze nach Faja dos Vinhaticos | 27,5 km | 725 hm hoch | 1.475 hm runter
- Faja dos Vinhaticos nach Curral das Freiras | 19,3 km | 1.340 hm hoch | 1.305 hm runter
- Curral das Freiras nach Funchal | 21,5 km | 1.030 hm hoch | 1.320 hm runter

Unser ehrliches Fazit
Ein Thruhike auf Madeira ist keine einfache Aufgabe. Aber genau das macht es so besonders. 209 Kilometer, rund 11.000 Höhenmeter und 10 Tage voller Nässe, Sturm, mystischer Nebelwälder und atemberaubender Steilküsten haben uns gefordert wie selten zuvor. Die Insel ist rau, unberechenbar und wunderschön zugleich. Wer eine Inseldurchquerung mit echtem Abenteuercharakter sucht, ist hier genau richtig, sollte aber Erfahrung mitbringen, das Wetter niemals unterschätzen und flexibel bleiben. Für uns war der Madeira Cross eine der intensivsten Touren, die wir je gemacht haben. Und ja: Wir würden es wieder tun. 😉
Welche Erfahrungen hast du auf Madeira gemacht? Wir freuen uns auf deine Kommentare oder Fragen.



